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Zukunftsfähigkeit = Problemlösungskompetenz = Intellektuelles Kapital

05.11.2009, 09:45 Uhr

Das Thema Intellektuelles Kapital wurde beim bwcon: Dialog am 28. Oktober 2009 aus ganz unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet: aus Sicht der Wissensbilanz und aus Sicht des Bilanzierungsrechts.

„Die Förderung des Intellektuellen Kapitals wird für uns als Energiekonzern immer wichtiger, um auf die rasant steigende Dynamik und Komplexität eingehen zu können“, erklärte Ulrich Schmidt, Projektleiter für Wissensmanagement bei der EnBW Energie Baden-Württemberg AG. Ziel der EnBW ist es daher, das intellektuelle Kapital nachhaltig und konzernweit im Hinblick auf zukünftige Herausforderungen zu bewerten. Deswegen wird seit dem Jahr 2005 in den zwölf Kernkonzerngesellschaften alle zwei Jahre eine Wissensbilanz erstellt.

Wertvolle Ergebnisse
Eine Wissensbilanz bewertet das Human-, Struktur- und Beziehungskapital eines Unternehmens. „Die Ergebnisse, die wir erhalten, sind sehr wertvoll“, so Schmidt. Schließlich erkennt man danach genau, bei welchen Faktoren man das Niveau halten oder aber handeln sollte, welche man lediglich beobachten oder welche man genauer betrachten sollte.

Repräsentative Mitarbeiterauswahl
In Workshops wird nicht nur das Intellektuelle Kapital definiert und erfasst, sondern auch konkrete Veränderungsmaßnahmen diskutiert. Ganz wichtig ist es, dass die Workshop-Teilnehmer die hierarchische Vielfalt und die verschiedenen Fachbereiche des Unternehmens repräsentieren. Das Engagement eines externen Beraters und Moderators ist sicherlich sinnvoll – wie von Gabriele Vollmar, Inhaberin von „Vollmar Wissen+Kommunikation“, die Unternehmen bei der Wissensbilanzierung unterstützt,.

Wie zukunftsfähig ist Ihr Unternehmen?
„Sinn und Zweck einer Wissensbilanz ist es, die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens nachvollziehbar machen“, erklärte sie. Für sie besteht die Zukunftsfähigkeit in der Problemlösungskompetenz der Mitarbeiter und damit im Intellektuellen Kapital. Es geht darum, fundamentale Werttreiber zu erfassen und darzustellen. „Das kann das Management hinter geschlossener Tür alleine machen, effektiver ist der Prozess aber mit einer repräsentativen Mitarbeiterauswahl“, so Vollmar. „Dann kommt die Vielstimmigkeit der Organisation zum Tragen.“

Den richtigen Hebel ansetzen
Hat man Schwächen identifiziert, geht es ans Verändern. In kleineren und mittelständischen Unternehmen hat man allerdings oft nicht die Kapazitäten für vielfältige Maßnahmen. Die Lösung besteht darin, Erfolgsfaktoren mit großer Hebelwirkung zu definieren, die also auch andere Faktoren stark beeinflussen.

Überraschende Erkenntnisse oder Bestätigung des Bauchgefühls
„Eine Wissensbilanz kann überraschende Erkenntnisse bringen oder ein Bauchgefühl bestätigen. Aber auch das ist wichtig, da man mit einer neuen Sicherheit vorgeht und genau weiß, wo man Hebel ansetzen sollte“, sagte Vollmar. Nutzen lässt sich eine Wissensbilanz sowohl als internes Steuerungsinstrument aber auch als externes Kommunikationsmittel, wie bei der EnBW, wo die Ergebnisse im Geschäftsbericht publiziert werden. Sinnvoll kann eine Wissensbilanzierung außerdem bei einer Unternehmensnachfolge oder Fusion sein.

Das Intellektuelle Kapital taucht in der Bilanz auf
Von der Wissensbilanz zum Bilanzrecht – „Die Bilanzierung des Intellektuellen Kapitals hat nun auch das deutsche Bilanzrecht erreicht“, sagte Stephan Mauer, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater bei der RWT Horwath GmbH. Der deutsche Gesetzgeber trägt der Tatsache Rechnung, dass die klassischen materiellen Produktionsfaktoren stetig an Bedeutung verlieren und stattdessen die immateriellen Werte wie Know-how, Technologien und Patente immer wichtiger werden. Das neue Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) bietet den Unternehmen nun die Möglichkeit, ab dem nächsten Jahr immaterielle Vermögensgegenstände in ihrem Jahresabschluss darzustellen – neben der bisher schon möglichen Berichterstattung über Wissensmanagementmaßnahmen im Lagebericht. Zusätzlich gewinnt das Intellektuelle Kapital dadurch an Bedeutung, dass Aufsichtsräte in Zukunft das Risikomanagement beurteilen müssen, was ohne Betrachtung des Intellektuellen Kapitals kaum möglich ist.

Wie beziffert man das Intellektuelle Kapital?
„Die Schwierigkeit liegt sicherlich darin, immaterielle Vermögensgegenstände aufgrund ihrer fehlenden körperlichen Substanz objektiv zu bewerten“, erklärte Michael Jetter, ebenfalls Wirtschaftsprüfer und Steuerberater bei RWT. Den Wirtschaftsprüfern stehen diverse Bewertungsverfahren zur Verfügung, die ein Stück weit aber immer subjektiv bleiben. Wie will man auch auf den Cent genau das Entwicklungspotenzial oder die Kundenbeziehungen eines Unternehmens berechnen? Allerdings gewinnt der Kaufpreis eines Unternehmens durch die Benennung des Intellektuellen Kapitals an Transparenz. „Was früher Goodwill war, lässt sich heute teilweise beziffern“, so Jetter.

Der Erfassung des Intellektuellen Kapitals nähern sich Wissensbilanzierer und Wirtschaftsprüfer auf recht unterschiedliche Art und Weise, da ihre Ziele auch ganz andere sind. Auf jeden Fall gewinnt das Thema für die Unternehmen an Bedeutung.

Präsentationen
Die Präsentation von Gabriele Vollmar finden Sie hier.
Die Präsentation von Ulrich Schmidt finden Sie hier.
Die Präsentation von Stephan Mauer und Michael Jetter finden Sie hier.

Text: Gitta Rohling


 

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