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bwcon: Business Roundtable: „Was macht ein Business Angel?“

19.06.2008, 09:56 Uhr

Die Frage „Was macht ein Business Angel?“ lässt sich am besten durch einen Vertreter dieser seltenen Spezies beantworten. Für den bwcon: Business Roundtable am 17. Juni konnte mit Peter Beyer ein sehr erfolgreicher und renommierter Business Angel gewonnen werden, um innovativen Gründern und jungen Technologieunternehmen einen persönlichen Erfahrungsbericht aus der Praxis zu geben.

Nach Abschluss seines Volkswirtschaftsstudiums und ersten Karriereschritten bei Siemens stand Peter Beyer über 20 Jahre lang als Geschäftsführender Gesellschafter an der Spitze der IKOSS Gmbh, einem der führenden deutschen Softwarehäuser in den 70er und 80er Jahren. Seit dem erfolgreichen Verkauf des Unternehmens an den französischen Konzern Sligos im Jahr 1996 ist er als Business Angel für junge IT-Unternehmen tätig. Seit 1999 hat er als Aufsichtsratsvorsitzender die FUZZY! Informatik AG unterstützt.

Ein Business Angel ist ein externer Partner auf Zeit, der junge Unternehmen mit Kapital, aber auch Beratung, Erfahrungen und Kontakten unterstützt. Herr Beyer vergleicht die Beziehung mit einer Patenschaft - die unterstützende Funktion endet, wenn das Kind erwachsen wird. Anhand von acht selbst realisierten Beispielen erläuterte Herr Beyer, wie ein Business Angel und ein Unternehmen zusammenfinden, welche Unterstützungsleistungen erbracht werden und wie der Business Angel in das Unternehmen einbezogen wird.

Für ein erfolgreiches Engagement gibt es für Peter Beyer mehrere KO-Kriterien: Es werden keine Engagements außerhalb der eigenen Branche eingegangen. Nur prozentuale Beteiligungen zwischen 25% und 49% ermöglichen gleichzeitig effektive Mitspracherechte für den Investor und motivierende Entscheidungs- und Eigentumsstrukturen für den Gründer. Ein weiteres Muss-Kriterium sind die beteiligten Personen – nur wenn Charakter und Moral der Gründer „stimmen“ ist ein Engagement für den Business Angel sinnvoll. Schließlich ist es auch unabdingbar, sich vorab auf eine klare Finanzierung zu einigen, Dazu muss die Höhe des Kapitalbedarfs bestimmt werden, die von Gründern oft zu niedrig angesetzt wird. Der Businessplan und das Geschäftskonzept sind dagegen nach Ansicht von Beyer keine KO-Kriterien – diese können in Zusammenarbeit zwischen Gründer und Business Angel angepasst und weiterentwickelt werden.

Unerlässlich für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit einem Business Angel ist die Bereitschaft zur Zahlentransparenz. „Nicht nur die Offenheit zur Berichterstattung ist wichtig,“, so Beyer, „genauso wichtig ist auch die Disziplin, die Zahlentransparenz laufend herzustellen.“ Monatliche Berichte und Planungen sind daher unerlässlich, gerade Gründern fehlt hier oft noch die Disziplin, das Zahlenmaterial laufend und zeitnah aufzubereiten.

„Was erwartet ein Start-Up von einem Business Angel?“ Neben Kapital bringt ein Business Angel auch sein Netzwerk ein und kann durch seine Kontakte Aufträge und Kunden vermitteln. Schließlich erhöht ein renommierter Business Angel auch die Bonität eines jungen Unternehmens.

„Was erwarten Gründer nicht von einem Business Angel?“ – Auch diese Frage konnte Herr Beyer aus seinen langjährigen Erfahrungen beantworten. Viele Gründer unterschätzen die Planung und dezidierte Kontrolle, die ein Business Angel verlangt und die oft als störend im operativen Tagesgeschäft empfunden werden. Auch die Forderung, das Leistungsportfolio klar zu formulieren und beizubehalten (auch wenn dem Unternehmen dadurch kurzfristig Umsätze entgehen) oder stärker zu fokussieren, hat bei einigen Gründern für heftige Diskussionen gesorgt.

Die Ausführungen wurden auch durch Unternehmer bestätigt, die Peter Beyer unterstützt (hat). Eberhard Franke, Vorstandsvorsitzender von FUZZY! bestätigte den „heilsamen Zwang, mehr in strategischen Dimensionen zu denken“. Mit dem objektiven Blick von außerhalb trägt der Business Angel dazu bei, aus den operativen Zahlen die strategische Entwicklung abzuleiten. Steffen Michel, Geschäftsführer der MHM-Systemhaus GmbH, bestätigt diese Sichtweise: „Der Business Angel nervt – aber durchaus im positiven Sinne.“ Die Betrachtung von außen liefert eine andere Perspektive. Der Business Angel ist ein wichtiger Sparringspartner, mit dem strategische Fragstellungen diskutiert werden und der zur Meinungsbildung beiträgt.

Im Anschluss an den Vortrag stellte sich Herr Beyer den Fragen der Gründer und jungen Unternehmer. Die Gespräche konnten beim anschließenden Get-Together weiter vertieft werden.


 

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