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Mobil in die Zukunft
10.07.2012, 16:00 UhrVernetzte Mobilität offenbart ungeahnte Möglichkeiten
Mitfahrgelegenheit? Ein alter Hut. Mietwagen? Gibt es beinahe schon so lange wie das Auto. Und dennoch haben es ein paar kleine Unternehmen geschafft, mit einer neuen Umsetzung dieser Ideen zu begeistern. Beim Business Roundtable der Baden-Württemberg: Connected (bwcon) haben sie ihre Ideen vorgestellt.
Die Idee an sich ist nicht neu, die Umsetzung und Integration in die Zeit von Smartphones und Navis aber überrascht und erstaunt: Als Benjamin Kirschner sein Projekt flinc vorstellt, raunt es im Publikum. Mehr als 20 Teilnehmer lauschen dem jungen Unternehmer andächtig, der seine Version von vernetzter Mobilität präsentiert.
Mitfahrgelegenheit 2.0
Mitfahrgelegenheiten müssen bisher geplant werden und werden meist nur für längere Strecken angeboten. Am selben Tag noch einen freien Platz zu bekommen, oder gar die Fahrt morgens ins Büro über das Internet zu verabreden – nahezu undenkbar. „Genau hier haben wir angesetzt“, erzählt Kirschner: „Wir haben ein Konzept entwickelt, die spontane Mitfahrgelegenheiten möglich macht.“
Und das funktioniert so: Der Fahrer gibt vor der Fahrt in das Navigationssystem im Smartphone ein, wohin er fahren möchte. Der Mitfahrer seinerseits gibt seinen Standort und sein Wunsch-Ziel in die App ein. Liegt beides in etwa auf einer Strecke, ploppt in der Anzeige des Navigationssystems das Profilbild des Mitfahrers auf, zusammen mit Informationen: Der Preis, den der Mitfahrer zahlen würde, die Ersparnis beim Tanken und die Zeit, die der Umweg in Anspruch nehmen würde.
Kontakt zum Mitfahrer in Echtzeit
„Der Fahrer kann jetzt entscheiden, ob er den Mitfahrer mitnehmen möchte und bestätigt das per Klick“, sagt Kirschner. „Der Mitfahrer weiß dann Bescheid – und die App errechnet sogar, wann der Fahrer ihn abholt und wie lange er für die Strecke brauchen wird. Telefonieren oder E-Mails schreiben wird überflüssig.“
Ganz ähnlich funktioniert das PocketTaxi von Stefan Ostwald. Auch er setzt auf die spontane Mitfahrgelegenheit, die vor allem Pendler zur Arbeit bringen soll, ohne dass jeder mit seinem eigenen Auto fährt: „Viele Pendler fahren täglich dieselbe Strecke, sind aber oft nur allein im Auto unterwegs. Zum einen wird dadurch die Anfahrt teurer, zum zweiten gibt es mehr Verkehr als nötig, drittens muss der Arbeitgeber die Parkplätze zur Verfügung stellen und außerdem wird die Umwelt stark belastet.“
Vier gute Gründe, etwas an der Situation zu ändern. PocketTaxi errechnet, genauso wie die flinc-App, die Route und den Umweg, den der Fahrer für den Mitfahrer in Kauf nehmen muss. Außerdem läuft ebenfalls alles in Echtzeit: „Mit einem Klick ist eine Mitfahrgelegenheit abgesagt, wenn man länger arbeiten muss, mit einem weiteren Klick wird eine neue gesucht“, erzählt Ostwald. Und die Unternehmen sind begeistert: „Bisher kommen praktisch nur positive Rückmeldungen – zu Mitarbeiter-Zufriedenheit, Nachhaltigkeit, verbesserten Kontakten unter den Mitarbeitern und eingespartem Geld.“
Öffentliche Verkehrsmittel werden mit eingebunden
PocketTaxi ist momentan vor allem im Raum Karlsruhe aktiv. Dort konnte bereits nach dem ersten Monat eine positive Bilanz gezogen werden: „Bei nur rund 300 Mitgliedern haben wir damals schon die Hälfte der Anfragen befriedigt“, sagt Ostwald mit ein wenig Stolz in der Stimme. Die öffentlichen Verkehrsmittel werden bei diesem Konzept übrigens ebenfalls eingebunden: „So schnell wie die S-Bahn ist normalerweise in der Innenstadt kein Auto – diese Information sollten die Pendler natürlich auch bekommen“, so Ostwald.
Eher an die Eigentümer von Autos richtet sich das Projekt Autonetzer: Markus Gößler hat es gemeinsam mit Sebastian Ballweg ins Leben gerufen. Die Idee: Autobesitzer können ihr Fahrzeug, wenn sie es gerade nicht benutzen, zur Vermietung anbieten – und Menschen, die in der Großstadt leben und deswegen kein eigenes Auto halten wollen, können sich günstig und unkompliziert Autos, beispielsweise für einen Ausflug oder einen Großeinkauf, mieten. So profitieren beide Seiten: Der Autobesitzer verdient mit seinem nicht genutzten Fahrzeug Geld, und der Mieter bekommt für wenig Geld ein Auto seiner Wahl, das im Idealfall auch noch direkt in der Nachbarschaft steht.
Vertrauen noch immer wichtiger Faktor
„Vertrauen ist auch in Zeiten digitaler Vernetzung wichtig – vor allem, wenn es um das eigene Auto geht“, weiß Markus Gößler. „Deswegen war uns wichtig, dass schon im Profil etwas über die Person ausgesagt wird, die das Fahrzeug mieten oder vermieten möchte, beispielsweise mit einem Bild, und dass vor der ersten Vermietung auf jeden Fall ein persönlicher Kontakt zustande kommt. Ohne den läuft bei uns gar nichts.“
Die Plattform an sich funktioniert einfach: Fahrzeugbesitzer stellen ihr Auto ein. User können dann in ihrer Umgebung nach freien Autos suchen und die Verfügbarkeit anfragen. Der Besitzer sieht nun, wer seinen Wagen mieten möchte und kann zu- oder absagen. Ist er einverstanden, wird das Auto für die vereinbarte Zeit gebucht. „Das läuft dann praktisch alles über die Plattform, einschließlich der Versicherung“, erzählt Gößler: „Eine normale Autoversicherung würde die Vermietung nicht mit übernehmen. Wir haben hier einen Partner an Land gezogen, der die Versicherung für die Miet-Zeit bereitstellt.“
Versicherung wird über Plattform geregelt
Versicherungsgebühr, Mietpreis und eine Provision für die Autonetzer werden dann direkt über die Plattform abgerechnet. Nur zur Schlüsselübergabe sehen sich Mieter und Vermieter persönlich. Dann wird auch das ebenfalls bereitgestellte Übergabeprotokoll durchgegangen und letzte Fragen werden geklärt.
Egal ob Autonetzer, PocketTaxi oder flinc: Alle drei Konzepte sind mit ihren Ideen noch längst nicht am Ende. So könnten Miet-Autos bereits mit einem Navigationssystem ausgestattet sein, das potentielle Mitfahrer von flinc anzeigt, oder aber das PocketTaxi könnte neben öffentlichen Verkehrsmitteln auch zur Verfügung stehende Autonetzer-Autos anzeigen. Die Fantasie der Jungunternehmer scheint keine Grenzen zu haben.
Fest steht für alle drei: „Nur durch vernetzte Mobilität können wir in Zukunft ebenso mobil bleiben, wie wir es heute sind, und dabei Umwelt, Verkehr und Geldbeutel schonen.“
(Text: Niko Sokoliuk)
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