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Money, Money, Money: Wie sich kreative Geschäftsideen mit Crowdfunding und Digital Content Funding finanzieren lassen

13.12.2011, 09:09 Uhr

Nachbericht zum bwcon: Creative Financing Day am 29. November 2011

Moderatorin Julia Endt (Bild: bwcon)

Ob mit Existenzgründerkrediten von Banken und Sparkassen, öffentlichen Förderprogrammen auf Bundes- oder Landesebene, durch privatwirtschaftliches Kapital von Business Angels und VC-Gesellschaften oder mit Unterstützung spezieller Förderprogramme für Ausgründungen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen – es gibt vielfältige Möglichkeiten, die Umsetzung der eigenen Geschäftsidee zu finanzieren.

Dennoch ist und bleibt der Weg zu externen Finanzierungsquellen für Gründer aus der Kreativwirtschaft eine große Herausforderung: Häufig ist das Finanzierungsvolumen schlichtweg zu gering und damit nicht profitabel für kommerzielle Geldgeber. Schwer skalierbare Geschäftsmodelle und eine starke Projektorientierung verstärken die Problematik. Fehlen darüber hinaus Eigenkapital oder vergleichbare Sicherheiten und lassen sich Wachstumspotential und Rendite des kreativen Vorhabens nur schwer abschätzen, dann scheitert die Suche nach Finanzierung schneller als gedacht.

Beim bwcon: Creative Financing Day (#cfdBW) am 29. November 2011 diskutierten rund 70 (potentielle) Gründer, Jungunternehmer und Finanzierungsexperten, wie es trotz Hindernissen gelingen kann, das nötige Startkapital zur Finanzierung kreativer Geschäfts- und Projektideen zu akquirieren. Am Vormittag gaben verschiedene Kapitalgeber Einblicke in kreative Finanzierungslösungen. Das Nachmittagsprogramm wurde von den Teilnehmern mitgestaltet: In Sessions zu Themen wie „Investor-Präsentations-Check“ oder „Erfahrungsbericht: Finanzierung eines Start-ups“ wurde intensiv diskutiert und aus den eigenen Erfahrungen berichtet. Parallel dazu bestand die Möglichkeit, an Einzelberatungen zu den am Vormittag vorgestellten Finanzierungsmöglichkeiten teilzunehmen.
 
Fünf kreative Finanzierungslösungen im Überblick:

I)    CyberOne: Preise für die Business-Konzepte der Zukunft

Im Rahmen der Begrüßung stellt Stefanie Springer, Leiterin des Projektteams Innovations- und Unternehmensförderung bei der Wirtschaftsinitiative Baden-Württemberg: Connected (bwcon), die erste Möglichkeit vor, das eigene Budget aufzustocken: Der bwcon: Hightech Award CyberOne sucht 2012 bereits zum 14. Mal innovative Geschäftskonzepte. Der Businessplan-Wettbewerb richtet sich an Start-ups und mittelständische Wachstumsunternehmen aus allen Technologiebranchen – wie zum Beispiel Kreativwirtschaft, Software/Hardware, Multimedia, Visualisierung/Simulation – in Baden-Württemberg, die mit innovativen Konzepten und Strategien neue Standards setzen und Märkte revolutionieren. Auf die erfolgreichen Teilnehmer warten nicht nur Geld- und Sachpreise im Wert von über 110.000 Euro – der Wettbewerb ist auch eine Plattform zu allen wichtigen Frühphasen-Investoren. Bislang haben insgesamt über 740 Start-ups und Wachstumsunternehmen am CyberOne teilgenommen. Mehr als 240 Millionen Euro Kapital konnten im Nachgang mobilisiert sowie teilnehmende Unternehmen mit über 24 Mannjahren Management-Beratung unterstützt werden. Interessenten haben noch bis zum 9. Januar 2012 Zeit, ihre Businesspläne online einzureichen.

II)    Crowdfunding – Von der Freiheitsstatue zum porNEOgrafischen Filmexperiment

Tino Kreßners Publikumsabfrage zu Beginn seines Vortrags macht deutlich: Mit dem Begriff Crowdfunding können die meisten etwas anfangen, ein eigenes Projekt hat aber noch keiner der Teilnehmer mit Hilfe von Crowdfunding finanziert. Das Interesse im Saal lässt jedoch erahnen, dass man auf startnext.de in nächster Zeit verstärkt nach baden-württembergischen Projekten Ausschau halten sollte. Mit dem Ziel eine partizipative und webbasierte Finanzierungslösung für Kreativ- und Kulturprojekte zu schaffen, wurde die Crowdfunding-Plattform im September 2010 von Tino Kreßner und Denis Bartelt gegründet. Seitdem hat die sogenannte Crowd mehr als 90 Projekte mit insgesamt rund 280.000 Euro erfolgreich unterstützt (Stand: Dezember 2011).

Der Crowdfunding-Prozess an sich ist schnell erklärt: Filmemacher, Software-Entwickler, Designer und andere kreative Köpfe lassen Projektideen durch viele einzelne Personen finanzieren. Dies geschieht nach dem „Alles-oder-Nichts-Prinzip“ – der Projektinitiator bekommt das Geld nur, wenn sein Budgetziel in einem gesetzten zeitlichen Rahmen erreicht wird. Als Gegenleistung erhalten die Unterstützer („Supporter“) exklusive „Dankeschöns“, wie zum Beispiel ein unterschriebenes Produkt, eine Nennung im Abspann oder ein Meet & Greet. Der Bewerbung des Projekts über Mundpropaganda und der Verknüpfung mit sozialen Netzwerken kommt beim Crowdfunding eine entscheidende Rolle zu. „Seid emotional und authentisch, eine Crowdfunding-Kampagne ist etwas anderes als ein Förderantrag“, rät Tino Kreßner. „Ihr müsst potentielle Supporter mit der Projektvorstellung auf kreative Weise davon überzeugen, euch zu unterstützen. Dazu gehört beispielsweise auch, dass man offenlegt, warum das Geld benötigt wird und was genau damit geplant ist. Besonders erfolgsversprechend sind Projekte, die mit einem Pitch-Video oder anderen Medieninhalten beworben werden.“

Ist die Crowd erst überzeugt, liegen die Vorteile auf der Hand: Schnelle und unbürokratische Unterstützung, kein Risiko und Unabhängigkeit von externen Kapitalgebern. Außerdem kann man durch geschickte Vermarktung im Social Web das Potential der Projektidee vorab analysieren, sich Zielgruppen-Feedback einholen und direkt mit zukünftigen Kunden vernetzen. Kein Wunder also, dass Crowdfunding-Plattformen immer populärer werden. Bereits 2000 ging mit ArtistShare.com die erste Plattform speziell für Musiker an den Start. 2006 wurde der Begriff Crowdfunding durch sellaband.com geprägt. Den englischsprachigen Raum dominiert heute das US-amerikanische Kickstarter.com, den deutschsprachigen Markt teilt sich startnext.de mit inkubato.com, pling.de, visionbakery.de und mysherpas.com. Crowdfunding für Start-ups ermöglicht seit diesem Jahr die Plattform seedmatch.de. Hier werden die Supporter zu Micro-Investoren, die sich mit Beträgen ab 250 Euro an jungen Unternehmen beteiligen und damit von deren Gewinnausschüttungen profitieren können.

Erfolgreiche Beispiele gibt es viele: „Das erste dokumentierte Crowdfunding-Projekt reicht bereits ins Jahr 1885 zurück“, berichtet Tino Kreßner. „Damals wurde der Sockel der Freiheitsstatue von 120.000 Menschen mit insgesamt 102.000 USD in sechs Monaten finanziert. Als Gegenleistung versprach Joseph Pulitzer die namentliche Nennung in seiner New Yorker Zeitung World.“ Erst kürzlich machte der Erotikfilm „Hotel Desire“ Schlagzeilen, der durch Crowdfunding insgesamt 170.000 Euro einsammeln konnte.

III)    Existenzgründerkredite: KfW-Gründerkredit-StartGeld und Startfinanzierung 80

Kredite für Existenzgründer bietet die GRENKE BANK in Zusammenarbeit mit öffentlichen Förderbanken an. So fördert beispielsweise das KfW-Gründerkredit-StartGeld der KfW-Mittelstandsbank bundesweit Existenzgründer, Freiberufler und kleine Unternehmen mit einem Kreditbetrag von bis zu 100.000 Euro. In Baden-Württemberg gibt es außerdem das Förderprogramm Startfinanzierung 80, mit dem die L-Bank und die Bürgschaftsbank Baden-Württemberg Existenzgründungsvorhaben bis zu einem Gesamtkapitalbedarf von 150.000 Euro fördern. „Existenzgründung erfordert neben der Unternehmerpersönlichkeit des Gründers auch eine umfassende Vorbereitung und einige Formalitäten“, betont Sebastian Hirsch, Vorstand der GRENKE BANK. „Wir arbeiten deshalb eng mit spezialisierten Unternehmensberatern zusammen, die gemeinsam mit dem Gründer das Unternehmenskonzept vorbereiten und den Kreditantrag auf unserer Online-Plattform (ExPo) einreichen.“ Das innovative Konzept hat Erfolg: „Unsere Kunden loben den persönlichen Kontakt, die einfache Abwicklung und schnelle Kreditentscheidung. Wir als Bank freuen uns über den bisher überdurchschnittlichen Erfolg unserer Gründer“, so Sebastian Hirsch.


IV)    Mikrofinanzierung: Kleine Kredite für großartige Ideen

Das Thema Mikrokredite verbinden viele mit dem aus Bangladesch stammenden Wirtschaftswissenschaftler Muhammad Yunus, der für sein Mikrofinanz-Konzept 2006 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Doch auch in Deutschland ist Mikrofinanzierung auf dem Vormarsch. „Mikrokredite sind dann interessant, wenn die benötigte Kreditsumme niedrig und der Kredit somit für Banken unattraktiv ist“, erläutert Katrin Becker von MONEX Mikrofinanzierung Baden-Württemberg. Die Kreditvergabe erfolgt „Step-by-Step“ in Form eines Stufenkreditverfahrens. Mit bis zu 10.000 Euro für den Erstkredit werden vorrangig die Dinge finanziert, die beim Unternehmen schnell zu Umsatz und damit zu Erträgen führen – zum Beispiel Investitionen, Betriebsmittel oder Auftragsfinanzierung. Anders als bei Banken besteht die Möglichkeit, der Kreditvergabe durch Referenzen aus dem persönlichen oder beruflichen Umfeld Sicherheit zu verleihen. „Nach unserer Erfahrung haben diese zwischenmenschlichen Faktoren großen Einfluss auf das Rückzahlungsverhalten und stellen so quasi sanfte Kreditsicherheiten dar“, berichtet Katrin Becker. Für die Kreativbranche hat MONEX ein spezielles Angebot: Mit dem Speed-Mikro-Kredit lassen sich Aufträge unbürokratisch vorfinanzieren oder wichtige Investitionen, wie Musikanlagen, Messestände oder Materialien rasch tätigen. Es gibt keine Kredituntergrenze und  kurzfristige Laufzeiten, Sondertilgungen sowie vollständige Rückzahlungen sind jederzeit kostenfrei möglich.

V)    Digital Content Funding (DCF) – Förderung für Games, Apps und Content


Wie sich digitale Gutenachtgeschichten, interaktive Bewegtbild-Inhalte für Smartphones und Tablet PCs oder ein Webprojekt aus dem Bereich User-generated Cinema finanzieren lassen, erklärt Martina Groeschel von der MFG Innovationsagentur: „Das Digital Content Funding (DCF) der MFG Filmförderung und MFG Innovationsagentur fördert mit insgesamt 500.000 Euro pro Jahr neue interaktive Medienapplikationen. Wir sind auf der Suche nach qualitativ hochwertigen Anwendungen, die kulturell wertvoll sowie inhaltlich oder strukturell mit Marktpotenzial ausgestattet sind.“ Überzeugt der Projektantrag, dann winken beim DCF.S. bis zu 20.000 Euro und beim DCF.L bis zu 120.000 Euro in Form eines bedingt rückzahlbaren, zinslosen Darlehens. Förderbar sind damit die Konzeptentwicklung, Prototypenentwicklung sowie Produktion und Vertriebsmaßnahmen. „Wer auf der Suche nach Förderung für interaktive IT-Infrastruktur ist, der kann sich ab Frühjahr 2012 auf ein neues Programm der MFG Innovationsagentur freuen. Der Digital Interaction Technology Funds (Ditec) fördert die Entwicklung von Demonstratoren, Prototypen, Trials und Prozessmodellierungen bis maximal 100.000 Euro in Form eines nicht rückzahlbaren Zuschusses“, verrät Martina Groeschel.

(Text: Franziska Voerner)



Der bwcon: Creative Financing Day wurde von der Wirtschaftsinitiative Baden-Württemberg: Connected (bwcon) im Rahmen des vom Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg mit EFRE-Mitteln geförderten Netzwerks Cluster Kreativwirtschaft Baden-Württemberg veranstaltet. Seit Anfang des Jahres unterstützt bwcon Gründer und Jungunternehmer aus der Kreativwirtschaft mit branchenspezifischen Beratungs- und Qualifizierungsmaßnahmen. Der bwcon: Creative Financing Day wurde unterstützt von Lieferladen.de, Schmid`s Teig-Spezialitäten GmbH & Co. KG und Esskultur.


Links:

Die Präsentationen zu der Veranstaltung finden Sie hier.

Die Bilder zum Creative Financing Day finden Sie auf unserer Facebook-Seite.

Digital Content Funding

Startnext.de

GRENKE BANK

MONEX Mikrofinanzierung Baden-Württemberg e.V.


 

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