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Innovator of the month: Sven Gogalla

Innovator of the Month Sven Gogalla von Schwabenschliff im Gespräch mit dem bwcon-Regional Board Kirchheim und dem DigiHub DigitalFuturES.

Anne Dröge: Was genau steht hinter Schwabenschliff?
Sven Gogalla: Hinter Schwabenschliff steht meine Leidenschaft Dinge wieder scharf zu schleifen. Dies mache ich seitdem ich 7 Jahre alt bin. Als Kind war ich neugierig und nervig. Da hat sich mein Opa eine Beschäftigungstherapie überlegt und mir eine rostige Klinge hingelegt, die ich schleifen sollte. Da war mein Interesse geweckt! Nachdem immer mehr Freunde, Bekannte und Nachbarn meinen Service genutzt haben, entstand daraus die Firma Schwabenschliff. Mir geht es vor allem auch darum Ressourcen vernünftig einzusetzen und lieber Messer zu pflegen, als wegzuwerfen und neu zu kaufen. Mittlerweile bekomme ich Messer aus ganz Deutschland zugeschickt.
 

Anne: Was bräuchte es, um sich ganz darauf zu konzentrieren?
Sven:
Ich habe ganz bewusst ein nebenberufliches Business und möchte diese Tätigkeit nicht ausschließlich machen. Diese Leidenschaft ist ein Ausgleich, der mich entspannen lässt. 2-3 Stunden am Tag sind ein gutes Pensum.
 

Anne: In welchem Stadium steht das Projekt / Produkt?
Sven:
Aktuell wachsen wir immer mehr an Bekanntheit und Umsatz und das passiert von ganz allein! Ich denke, dass immer mehr Menschen alten Dingen neues Leben einhauchen möchten – da treffe ich genau den richtigen Nerv.
 

Anne: Was ist der USP?
Sven:
Mein USP ist, dass ich diesen Service sehr günstig anbieten kann, da ich es nur als Nebengewerbe betreibe. Mehr als 6,- € pro Schliff würde ich selbst nicht bezahlen und auch wenn das Messer Kerben oder Scharten hat, verlange ich nicht mehr. Ein gutes Messer hält ca. 40-50 Jahre, wenn man es pflegt. Kürzlich hatte ich ein Skalpell, das fast 100 Jahre alt war – da kommt meine Leidenschaft durch: Lieber wiederverwenden als wegwerfen!
 

Anne: Unser letzter Innovator hat dem Eiermann, also dem Lieferservice für bäuerliche Produkte einen innovativen Schliff verliehen. Würdest du sagen, dass auch du einem alten Handwerk einen neuen Anstrich verpasst hast?
Sven:
Ich würde sagen, dass ich dieses Handwerk wiederbelebt habe, da es auch in die Zeit passt, nachhaltig mit Ressourcen umzugehen. Wenn ich durch diesen Service ein Angebot machen kann, wie man Dinge mit wenig Aufwand wieder „renewen“ kann, dann fällt diese Überzeugungsarbeit auf fruchtbaren Boden! Ich zeige dies gerne anhand der Tomate – habt ihr schon mal eine Tomate mit einem stumpfen Messer geschnitten? Echter Matsch!
 

Anne: Was bedeutet für dich – in Bezug auf dein Business – das Schlagwort “Nachhaltigkeit”?
Sven:
Nachhaltigkeit ist mir ein wichtiges Anliegen. Neben dieser Leidenschaft fürs Erneuern von Messern, zweckentfremde ich kaputte Maschinen für andere Sachen. Ich baue alte Maschinen auseinander und schlachte diese aus. Schleifbänder werden bei mir gereinigt und damit werden sie viel langlebiger.
 

Anne: Ist eine Erweiterung des Portfolios geplant?
Sven:
Neben Messern kommen aktuell auch viele Scheren rein. Rebscheren zum Beispiel leiden unter großer Belastung und die Menschen sind richtig glücklich, wenn ich Ihnen diese wieder schärfe. Dazu kommen auch Äxte, Scheren, usw. Beispielsweise bringt das Unternehmen Batene aus Wendlingen bringt Scheren zum Schnitt von Drähten. Beim Schneiden von Drähten wird die Schnittfläche immer schnell stumpf, da kann ich helfen!
 

Anne: Was bedeutet für dich - in Bezug auf dein Business - das Schlagwort “Regionalität”?
Sven:
Mein Fokus ist definitiv die Region. In Kirchheim biete ich zum Beispiel auch einen Abhol- und Bringservice an. Gerade für ältere Menschen, die nicht mehr mit dem Auto fahren, ist das ein wertvoller Service. Das ist für mich auch ein gesellschaftlicher Mehrwert, den ich leisten möchte.
 

Anne: Mit welcher Person würdest du dich gerne mal über dein Projekt austauschen?
Sven:
Ich tausche mich gerne mit unterschiedlichen Menschen aus, daher gibt es wahrscheinlich nicht den einen oder die eine. Ich liebe es mit einem „alten Fuchs“ zu sprechen, der schon Jahrzehnte lang Messer geschliffen hat und möchte gerne von seiner Erfahrung profitieren. Darauf möchte ich dann aufbauen, das nenne ich Evolution!
 

Anne: Wenn du einen Wunsch in Hinblick auf deine Idee frei hättest – was würdest du dir wünschen?
Sven:
Schön, wenn ich durch mein kleines Projekt erreichen könnte, den ein oder anderen dazu zu bringen, mehr Achtsamkeit und Sorgfalt zu leben! Es ist mein kleiner Teil, den verschwenderischen Konsumgedanke zumindest punktuell zu verdrängen.
 

Anne: Was sind die 3 wichtigsten Eigenschaften, die dich als Unternehmer auszeichnen?
Sven:

# Resilienz
# Anpassungsfähigkeit an sich verändernde Gegebenheiten
# Revoluzzer ;-) bestehende Strukturen in Frage zu stellen und zu prüfen, was man besser machen kann.

 

 

Das KI:NT Regionalboard und Digital.FuturES wollten mehr von dem Gründer erfahren.

 

Peter Greiner, Managing Shareholder Grevest Beteiligungs GmbH: Was braucht es denn genau für dieses Business?

Sven: In erster Linie braucht es Übung, um zu wissen, welche Klinge und welche Stahlsorten wofür verwendet werden. Üben geht hier vor Wissen! Mittlerweile höre ich, ob das Messer scharf ist.
 

Wäre Franchise für dich eine Möglichkeit, um zu wachsen?

Sven: Nein, dies ist aus meiner Sicht keine Option. Für mich ist es eher Ausgleich zu meinem Hauptjob. Grundsätzlich bin ich gerne bereit jemandem zu erklären, was ich gemacht habe und wie ich das gelernt habe. Ich mache es nicht hauptberuflich, da es ein Knochenjob ist und es einfach eine Zeit dauert, bis es sich etabliert.
 

Dr Elke Harnisch-Schreiber, Projektleiterin Digital.FuturES: Gibt es bei dir Öffnungszeiten oder funktioniert dein Business auf Zuruf und Absprache?

Sven: Komm gerne einfach abends vorbei zum Messer abgeben und dann wird geschliffen. Ich hasse Bürokratie!
 

Lars Lehner, Geschäftsführer / CEO von L E H N E R SENSOR-SYSTEME: Welche Menge kannst du in deinem Nebengewerbe pro Woche bearbeiten?

Sven: Scheren sind aufwendiger als Messer, aber ich schaffe ca. 30-50 Scheren pro Woche.

 

Paul Mirsch, Gründer & IT-Experte biparso GmbH: Wie lange brauchst du für ein Messer?

Sven: Bei keinen besonderen Vorkommnissen dauert es ungefähr 1 Minute. Aber es kann natürlich länger dauern. Scheren brauchen auch mal 5-10 Minuten.

 

Hannes Schubert, DISCUS Strategy: Wäre es für dich auch eine Option, einen Mitarbeiter einzustellen, der die Leidenschaft teilt und dich unterstützt, um deinem Anspruch an Purpose und Sinn gerecht zu werden?

Sven: Es braucht einen wirtschaftlichen Sweetspot, den ich mit einem Mitarbeiter nicht mehr halten könnte. Da müsste ich die Preise anziehen und dann würden die Leute es nicht mehr machen wollen. Dazu kenne ich keine Person, die meine Leidenschaft so teilt, dass er oder sie diese Arbeit in einem solchen Umfang machen wollen würde.

 

Kontakt:

Sven Gogalla
Schwabenschliff