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„Eine Plattform, die verbindet, statt zu spalten": Juliane Reuter ist unsere Innovator of the month

Tennis und Tech – das klingt auf den ersten Blick nicht nach der offensichtlichsten Kombination. Doch genau in dieser Verbindung steckt eine Idee, die weit über den Sport hinausreicht: ScoreGO ist eine App, die Tennisfans weltweit ein digitales Zuhause gibt. Was als Nebenprojekt neben dem Masterstudium begann, entwickelt sich heute zu einer Plattform mit internationaler Reichweite. Als Nora Bartke von bwcon CEO und Co-Founderin Juliane Reuter in der aktuellen Folge des „Innovator of the month" zum Gespräch trifft, wird schnell klar: Diese Gründerin hat nicht nur eine App gebaut – sie stellt die gesamte Social-Media-Landschaft infrage.

Das komplette Interview gibt es zum Hören auf dem bwcon Podcast Kanal >>

 

Ein Tennisspieler gewinnt ein Match – und bekommt Applaus. Er verliert – und er bekommt Hass. Tausende Nachrichten, oft von Sportwetter*innen, die ihr Geld verloren haben. Ein Creator mit 15.000 Followern, der mit ScoreGO zusammenarbeitet, hat seinen Instagram-Account inzwischen an seine Freundin übergeben, weil er es nicht mehr aushält. Andere Spieler*innen haben ihre Profile gleich ganz gelöscht.

 

Noch nie haben so viele Menschen soziale Medien genutzt. Gleichzeitig war auch die Einsamkeit noch nie so hoch. Juliane Reuter, die in Tübingen Psychologie und Kognitionswissenschaft studiert hat, kennt die Mechanismen dahinter genau. Herkömmliche Plattformen optimieren nicht auf Verbindung, sondern auf Aufmerksamkeit. Sie reizen bewusst die Grenze des gerade noch Akzeptablen aus, weil genau dort das größte Wachstum liegt. Nutzer*innen teilen, kommentieren, die Outrage wächst – und der Algorithmus belohnt es. „Tatsächlich muss das nicht so sein. Es ist eine Designentscheidung, keine Naturgewalt", weiß Juliane Reuter. An der Universität hat sie eine Präsentation genau darüber gehalten. Heute baut sie den Gegenentwurf.

 

Interaction Media statt Social Media

 

ScoreGO ist eine App für Tennisfans – und gleichzeitig ein Experiment: Kann ein soziales Netzwerk funktionieren, das auf Leidenschaft statt auf Polarisierung setzt? Das Gründerteam nennt seinen Ansatz bewusst nicht Social Media, sondern „Interaction Media", weil er auf echter Interaktion basiert, nicht auf Attention.

 

Konkret bietet die Plattform aktuelle Ergebnisse und News auf der einen Seite und eine lebendige Community auf der anderen. Das Herzstück sind die sogenannten Lounges: Gruppenchats, in denen Fans, Verbände, Turniere, Spieler*innen und Sponsor*innen direkt miteinander in Kontakt treten. Der Württembergische Tennisbund betreibt dort beispielsweise Lounges zu Themen wie Inklusion im Tennis, ein großer Apparel-Anbieter organisiert darüber Schuhtest-Events. Und in der aktivsten Lounge „Today's Matches" wird zum Beispiel während Wimbledon leidenschaftlich diskutiert, warum die Favoritin ausgeschieden ist.

 

Der entscheidende Unterschied zu WhatsApp-Gruppen: ScoreGO ist kein geschlossenes Silo, sondern eine offene Plattform, auf der User*innen Räume entdecken können – auch ohne Einladungslink oder Verbandsmitgliedschaft. „Unser Anspruch ist, dass die Leute bleiben. Nicht, weil sie festgehalten werden, sondern weil sie sich dort verbunden fühlen", erklärt Juliane Reuter.

 

Wachstum durch Vernetzung

 

Die Gründungsgeschichte ist schnell erzählt: Co-Founder Julien Lamparter, Informatikstudent und Tennisfan, vermisste eine gute App für Tennisergebnisse. Auf einer gemeinsamen Reise zwischen Bachelor und Master wurde aus dem Nebenprojekt eine Geschäftsidee. Juliane Reuter übernahm UI und UX, Julien Lamparter schrieb den Code. Nach einem dreiviertel Jahr ging ScoreGO live. Heute wird die App von vier Menschen betrieben – dem Gründerduo und zwei Praktikantinnen. Die gesamte Software-Architektur wird intern entwickelt, ohne externe Auslagerung. „Wenn wir schnell ein neues Feature brauchen, sprechen Julien und ich einfach darüber – und er setzt es dann um“, so Juliane Reuter.

 

Dass aus dem Studentenprojekt ein professionelles Unternehmen wurde, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis der richtigen Verbindungen zur richtigen Zeit. Über den CyberLab Accelerator fand das Team seinen ersten Investor und den Weg in das Start-up BW Pre Seed Programm. Kontakt für Kontakt öffneten sich neue Türen: Eine Person stellte die nächste vor, eine Veranstaltung führte zur nächsten Partnerschaft. „Ohne dieses Netzwerk gäbe es uns in dieser Form heute nicht", betont Juliane Reuter. Heute zählen Swiss Tennis, der Württembergische Tennisbund, diverse Challenger-Turniere und die ehemalige Profispielerin Anke Huber als Beiratsmitglied zu den Partnern von ScoreGO.

 

Genau hier zeigt sich, wofür auch bwcon steht: Menschen und Unternehmen zusammenbringen, Innovationen sichtbar machen und als Matchmaker zwischen Gründer*innen, Expert*innen und etablierten Akteur*innen fungieren. Die Geschichte von ScoreGO ist ein Beispiel dafür, was entstehen kann, wenn das richtige Netzwerk auf die richtige Idee trifft.

 

Und wohin geht die Reise?

 

Bleibt ScoreGO beim Tennis – oder ist das erst der Anfang? Wie reagiert das Team auf Anfragen aus anderen Sportarten? Und was hat es mit der großen Vision auf sich, Social Media grundlegend neu zu denken? Juliane Reuter hat darauf klare Antworten – und die gibt es im ausführlichen Interview als Podcast auf dem bwcon Spotify-Kanal. Jetzt reinhören >>

 

Weitere interessante Persönlichkeiten aus der Region

 

Eine Übersicht über alle Innovator of the month und Regional Champions finden Sie hier. Und wer die Gründerin und die anderen Innovator of the month persönlich treffen möchte, hat beim Sommerfest in Nürtingen am 30. Juli die Gelegenheit dazu. Infos und Anmeldung unter events.bwcon.de/events/sommerfest-7-0/