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„Lernen darf Spaß machen.“: Kathrin Lichius ist unsere Innovator of the month

Künstliche Intelligenz, Future Skills und die Frage, wie Lernen heute wirksam gestaltet werden kann – genau darum geht es in der neuen Ausgabe des „Innovator of the month“. Kathrin Lichius, Gründerin von Kinderleicht, zeigt, wie Kompetenzen erlebnisorientiert, generationenübergreifend und praxisnah vermittelt werden können. Im Gespräch mit Anne Dröge spricht sie über ihren Weg aus der Konzernwelt in die Selbstständigkeit, warum klassische Lernformate oft zu kurz greifen und weshalb echtes Ausprobieren der Schlüssel für erfolgreiche Transformation ist. Dabei wird deutlich: „Joyful Learning“ ist kein Nice-to-have, sondern die Grundlage für nachhaltigen Lernerfolg.

Das komplette Interview gibt es zum Hören auf dem bwcon Podcast Kanal >>

 

Anne Dröge: Willkommen zu einer neuen Folge des „Innovator of the month“. Heute habe ich die Ehre, mit Kathrin Lichius, der Gründerin von Kinderleicht, zu sprechen. Herzlich willkommen!

 

Kathrin Lichius: Vielen Dank für die Einladung.

 

Anne Dröge: Nimm uns gerne einmal mit: Mit welchem Hintergrund bist du gestartet und wie bist du auf die Idee gekommen, Kinderleicht zu gründen? Was war der Auslöser?

 

Kathrin Lichius: Meine Reise begann in der Konzernwelt. Ich war über 15 Jahre bei Mercedes tätig, vor allem in den Bereichen Strategie und Entwicklung. Parallel dazu habe ich bereits Vorlesungen an Hochschulen und Universitäten gehalten, insbesondere zu Future Skills – also Soft Skills, agiles Projektmanagement oder Präsentationstechniken. Dabei habe ich festgestellt, dass mein Herz deutlich stärker dafür schlägt, Menschen weiterzuentwickeln und zu qualifizieren, als Projekte ins Ziel zu bringen. Das konnte ich zwar auch gut, aber die Arbeit mit Menschen hat mich mehr erfüllt.

 

Ich habe mich dann entschieden, Mercedes zu verlassen und bin an das Institut für Entrepreneurship der Universität Stuttgart gewechselt. Dort konnten wir ein Programm für Doktorandinnen, Doktoranden und Postdocs entwickeln, das sicherstellen sollte, dass Forschung nicht in der Schublade bleibt, sondern tatsächlich Anwendung findet.

 

Im Zuge dessen habe ich für mich festgestellt, dass Gründen ein natürlicher nächster Schritt ist. Ich wollte mir die Fähigkeiten aneignen, die man im Corporate-Umfeld nicht unbedingt lernt, und gleichzeitig Wissen anders vermitteln. Es ist wissenschaftlich belegt, dass Wissen nachhaltiger verankert wird, wenn man an realen Herausforderungen arbeitet, statt Inhalte nur passiv zu konsumieren. Genau das habe ich auch bei meinen Studierenden beobachtet: Sie lernen am meisten, wenn sie ins kalte Wasser geworfen werden und sich selbst entwickeln müssen.

 

Parallel dazu hat mich das Thema Künstliche Intelligenz sehr beschäftigt. Ich habe selbst drei Kinder und mich intensiv weitergebildet. Ursprünglich wollte ich das Thema KI in die Programme für Nachwuchswissenschaftler integrieren. Da ich jedoch keine Angebote gefunden habe, die meinen Qualitätsansprüchen entsprachen – also erlebnisorientiert statt reinem Webinar-Format – habe ich begonnen, eigene Formate zu entwickeln. Daraus entstand schließlich Kinderleicht.

 

Anne Dröge: Was genau steckt hinter Kinderleicht?

 

Kathrin Lichius: Die Idee ist, Menschen Future Skills zu vermitteln – und zwar generationenübergreifend, von Kindern bis hin zu Seniorinnen und Senioren in der Wirtschaft.

 

Wir arbeiten mit zwei Säulen: Zum einen bieten wir Programme für Unternehmen an – vom Start-up über den Mittelstand bis hin zu Konzernen. Dort geht es um Upskilling in Future Skills und Künstlicher Intelligenz. Die zweite Säule ist ein kostenfreies Angebot für Kinder. Uns ist wichtig, dass Kinder unabhängig vom Elternhaus frühzeitig Zugang zu diesen Themen bekommen. Denn wenn wir darauf warten, bis Bildungspläne angepasst werden, verlieren wir viel Zeit.

 

Anne Dröge: Trotz der Relevanz von KI und Future Skills hat man das Gefühl, dass es nicht schnell genug vorangeht. Was sind aus deiner Sicht die größten Hürden?

 

Kathrin Lichius: In Deutschland sehe ich vor allem zwei Aspekte: Zum einen die Haltung „Das haben wir schon immer so gemacht“. Wenn etwas lange funktioniert hat, fehlt oft die Motivation zur Veränderung. Zum anderen ist es das Thema Datenschutz. Die Sorge ist groß, was mit Daten passiert. Dabei gibt es mittlerweile viele Lösungen, die auf europäischen Servern laufen oder lokal gehostet werden können.

 

Letztlich ist es ein Transformationsthema. Menschen müssen den Mehrwert für sich erkennen und dürfen keine Angst haben, ersetzt zu werden. Ich bin überzeugt: Menschen, die mit KI arbeiten, werden weiterhin gebraucht.

 

Anne Dröge: Wie setzt ihr eure Lernformate konkret um?

 

Kathrin Lichius: Wir arbeiten stark mit erlebnisorientierten Formaten, beispielsweise einer „KI-Dschungel-Expedition“. Die Teilnehmenden lösen gemeinsam im Team konkrete Herausforderungen, die auf ihren Arbeitskontext zugeschnitten sind. Unsere Formate reichen von kurzen Teaser-Workshops über Halbtages- und Tagesformate bis hin zu mehrmonatigen Begleitungen, etwa bei der Ausbildung von KI-Botschafter*innen in Unternehmen.

 

Anne Dröge: Was war für dich persönlich der schönste Moment seit der Gründung?

 

Kathrin Lichius: Besonders schön ist es, wenn Teilnehmende sagen, dass unsere Trainings das Beste waren, das sie bisher erlebt haben. Das bestätigt unseren Ansatz des „Joyful Learning“. Wir haben bisher keinerlei Budget für Marketing ausgegeben. Alles läuft über Empfehlungen. Das zeigt, dass Lernen Spaß machen darf – und trotzdem nachhaltig wirkt.

 

Anne Dröge: Wie schafft ihr es, bei der Geschwindigkeit der KI-Entwicklung am Ball zu bleiben?

 

Kathrin Lichius: Das ist tatsächlich eine Herausforderung. Ich arbeite mit einem Netzwerk von KI-Expertinnen und -Experten zusammen, die unterschiedliche Schwerpunkte haben. Zusätzlich nutze ich automatisierte Lösungen: Ich habe mehrere hochwertige Newsletter abonniert, die in eine separate E-Mail-Adresse laufen, und einen Agenten, der mir die Inhalte strukturiert aufbereitet. So kann ich gezielt darauf zugreifen, ohne alles manuell durchgehen zu müssen.

 

Anne Dröge: Was braucht es, damit Unternehmen ins Handeln kommen?

 

Kathrin Lichius: Es braucht die Kombination aus allem: passende Tools, Schulungen und das richtige Mindset. Unternehmen dürfen Mitarbeitende nicht allein lassen, sondern müssen sie begleiten. Wichtig ist auch, Zeit zum Ausprobieren zu geben. Lernen bedeutet, Fehler machen zu dürfen. Führungskräfte spielen hier eine zentrale Rolle.

 

Anne Dröge: Welche typischen Fehler beobachtest du?

 

Kathrin Lichius: Erstens: Tools werden eingeführt, ohne klare Anwendungsfälle zu definieren. Zweitens: Bestehende Prozesse werden einfach automatisiert, statt sie grundlegend zu hinterfragen. Drittens: KI wird als Hype betrachtet. Der größte Mehrwert entsteht jedoch durch viele kleine Effizienzgewinne im Alltag – nicht durch spektakuläre Einzelfälle.

 

Anne Dröge: Welche Rolle spielen Netzwerke wie bwcon für dich als Gründerin?

 

Kathrin Lichius: Netzwerke sind essenziell. Gerade am Anfang fehlt die Sichtbarkeit. Ich hatte das Glück, an einem Accelerator teilzunehmen und dort erste Bühnen zu bekommen. Mein erster Kunde kam direkt nach einem Pitch. Netzwerke schaffen Zugang zu Menschen und ermöglichen Austausch, der sonst nicht zustande käme.

 

Anne Dröge: Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in deinem Kontext?

 

Kathrin Lichius: Eine sehr große. KI-Modelle haben einen erheblichen Energie- und Wasserverbrauch. Deshalb ist es wichtig, KI bewusst einzusetzen – nur dort, wo sie wirklich Mehrwert bringt. Dafür sensibilisieren wir auch in unseren Trainings. Ein Beispiel: Mit einer Smartphone-Akkuladung lassen sich nur etwa drei KI-generierte Bilder erzeugen. Das zeigt, wie ressourcenintensiv das Thema ist.

 

Anne Dröge: Woran würdest du in drei Jahren erkennen, dass eure Arbeit Wirkung zeigt?

 

Kathrin Lichius: Wir fragen Teilnehmende etwa ein Jahr nach den Trainings, ob sich ihre Arbeitsweise verändert hat. Das Feedback zeigt bereits jetzt deutliche Veränderungen im Denken und Arbeiten. Solange wir diesen Mehrwert sehen, sind wir auf dem richtigen Weg.

 

Anne Dröge: Es ist unheimlich inspirierend, mit dir heute Morgen zu sprechen. Aber drehen wir den Spieß um: Mit wem würdest du gerne einmal einen Kaffee trinken?

 

Kathrin Lichius: Mit Forschenden, die beim Wettbewerb „Falling Walls“ gewonnen haben. Dort werden jedes Jahr wissenschaftliche Durchbrüche ausgezeichnet. Es wäre spannend zu sehen, wie sich diese Ideen weiterentwickelt haben und welchen Beitrag sie leisten.

 

Anne Dröge: Wie ist euer Team aufgestellt?

 

Kathrin Lichius: Ich habe als Einzelgründerin gestartet – mit einem kleinen Roboter namens Kiki als symbolischem Co-Founder für KI. Inzwischen arbeite ich mit Freelancern, Trainerinnen und Trainern sowie Werkstudierenden zusammen. Langfristig planen wir, eine gemeinnützige Struktur aufzubauen, um insbesondere Bildungsangebote für Schulen nachhaltig zu etablieren.

 

Anne Dröge: Mit welchen drei Tags würde dich Kiki beschreiben?

 

Kathrin Lichius: Begeisternd, super wirbelig in den Themen und immer up to date.

 

Anne Dröge: Zum Abschluss noch ein kurzes Entweder-oder-Spiel:

 

Frühaufsteher oder Nachtmensch? Frühaufsteher
Digitales Whiteboard oder Waldspaziergang? Waldspaziergang
Workshop mit Post-its oder KI-Prompt? Workshops mit Post-its
Erklären oder ausprobieren? Ausprobieren
Perfektion oder „safe enough to try“? Safe enough to try
Kaffee oder Matcha? Keins von beidem – lieber Tee
Durchgetakteter Kalender oder Freiraum? Bewusst Freiraum
Buch oder Podcast? Buch
Netzwerken oder Tools testen? Netzwerken

 

Anne Dröge: Vielen Dank für das Gespräch und die spannenden Einblicke!

 

Kathrin Lichius: Vielen Dank für die Nominierung und das Interview. Ich wünsche allen den Mut, sich auf lebenslanges Lernen einzulassen – wir stehen erst am Anfang dieser Entwicklung.

 

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Eine Übersicht über alle Innovator of the month und Regional Champions finden Sie hier. Und wer lieber zuhört statt liest, ist beim bwcon Podcast Kanal auf Spotify genau richtig.