Im Mittelpunkt stand eine immersive Kollaborations-, Trainings- und Simulationsumgebung, in der Menschen, Systeme und Prozesse miteinander verbunden sind und realitätsnahes Erleben ermöglicht wird. Solche Plattformen eröffnen neue Möglichkeiten, Handlungskompetenzen aufzubauen, komplexe Szenarien zu simulieren und Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu verbessern.
Der Schockraum als Analogie für komplexe Entscheidungswelten
Zum Einstieg zog Sabine Duval eine Analogie zwischen medizinischer Realität und wirtschaftlichen Entscheidungsprozessen: „Der Schockraum stehe beispielhaft für Situationen, in denen unter Zeitdruck, bei hoher Komplexität und mit vielen gleichzeitig eintreffenden Informationen Entscheidungen getroffen werden müssen.“
Ähnliche Rahmenbedingungen prägen zunehmend auch Unternehmen. Komplexität und Parallelität von Ereignissen nehmen zu, während sich Rahmenbedingungen und Entscheidungsgrundlagen immer schneller verändern. Gleichzeitig müssen Organisationen Stabilität sichern und dauerhaft handlungsfähig bleiben.
Vor diesem Hintergrund gewinnt die Fähigkeit an Bedeutung, Zusammenarbeit über organisatorische Schnittstellen hinweg effizient zu gestalten und Handlungskompetenzen schneller aufzubauen.
Corporate Metaverse als Plattform für vernetzte Wertschöpfung
Markus Herkersdorf stellte anschließend das Konzept des „Corporate Metaverse“ vor: „Anders als bei isolierten Virtual-Reality-Anwendungen handelt es sich dabei um eine unternehmensweite Wertschöpfungsplattform. Sie verbindet Menschen, Modelle, Prozesse und Daten über organisatorische Grenzen hinweg und ermöglicht eine neue Qualität der Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfung.“
Technologische Grundlage dieser Plattform sind digitale Zwillinge. Geräte und Systeme werden so modelliert, dass sie nicht nur visualisiert, sondern in ihrem Verhalten vollständig simuliert werden können. In der virtuellen Umgebung reagieren sie daher genauso wie ihre physischen Gegenstücke. Diese Verbindung zwischen virtueller und physischer Welt eröffnet neue Möglichkeiten für Entwicklung, Training, Vertrieb und Service.
Digitale Zwillinge entlang des Produktlebenszyklus
Ein Praxisbeispiel aus der Medizintechnik verdeutlicht das Potenzial solcher Plattformen. In Zusammenarbeit mit einem internationalen Hersteller wurden Geräte vollständig als digitale Zwillinge in eine virtuelle Umgebung integriert.
Diese Modelle können von unterschiedlichen Stakeholdern weltweit genutzt werden. Entwicklungs-, Trainings- und Vertriebsteams arbeiten dabei mit denselben virtuellen Systemen und können Funktionen oder Anwendungsszenarien gemeinsam erproben.
Am Beispiel des Unternehmens Olympus berichtete Markus Herkersdorf, dass sich durch diese Form der Zusammenarbeit Entwicklungs- und Abstimmungsprozesse beschleunigen lassen und Time-to-Market-Zeiten um mehrere Monate verkürzt werden konnten. Zudem lassen sich digitale Zwillinge im Marketing, in Schulungen oder im technischen Support einsetzen, etwa um Produkte realitätsnah zu demonstrieren oder Trainings unabhängig von physischen Geräten durchzuführen. Damit entstehen neue Möglichkeiten, Wissen und Kompetenzen schneller im Unternehmen zu verbreiten und Prozesse effizienter zu gestalten.
Realitätsnahe Trainingsumgebungen für die medizinische Ausbildung
Ein besonders anschauliches Beispiel ist der virtuelle Schockraum, der in Zusammenarbeit mit der Universität Ulm umgesetzt wurde und seit dem vergangenen Sommer in Betrieb ist. In dieser Umgebung können Studierende medizinische Notfallsituationen trainieren.
Die Geräte, Instrumente und Abläufe sind detailreich modelliert. Diagnostische Verfahren wie Ultraschall lassen sich im virtuellen Szenario anwenden, sodass Studierende Behandlungsabläufe realitätsnah erproben können. Solche Simulationen ermöglichen es, seltene oder komplexe Situationen wiederholt zu trainieren und unterschiedliche Rollen im Team gemeinsam zu üben.
Technologie entfaltet Wirkung erst durch Organisation
Neben der technologischen Perspektive betonten die Referierenden auch die organisatorischen Voraussetzungen für erfolgreiche Implementierungen. Virtuelle Plattformen entfalten ihren Nutzen nur dann, wenn sie strategisch im Unternehmen verankert werden und Mitarbeitende befähigt werden, neue Formen der Zusammenarbeit aktiv zu nutzen. Dazu gehören eine klare Technologie- und Innovationsstrategie, geeignete Prozesse und Tools sowie eine professionelle Begleitung organisatorischer Veränderungen.
Innovation entsteht im Ökosystem
Zum Abschluss richtete Markus Herkersdorf den Blick auf die Bedeutung von Kooperationen: „Gerade in technologischen Zukunftsfeldern ist eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und medizinischen Einrichtungen entscheidend.“ Nur durch solche Netzwerke lasse sich die Innovationskraft langfristig sichern und weiterentwickeln.
Das zentrale Fazit des SIG Health Spotlights: Virtuell-reale Plattformen eröffnen neue Möglichkeiten für Entwicklung, Training und Zusammenarbeit im Gesundheitswesen. Werden sie strategisch eingesetzt, können sie entlang des gesamten Produktlebenszyklus neue Wertbeiträge schaffen und Organisationen dabei unterstützen, ihre technologische und wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit zu stärken.
Kontakt
TriCAT GmbH
Markus Herkersdorf
Geschäftsführer | CEO
Lise-Meitner-Str. 13
Science Park II
89081 Ulm
Telefon: +49 731 1405198-0
E-Mail: markus.herkersdorf@tricat.net
www.tricat.net
Drescher Consulting GmbH
Sabine Duval
Managing Consultant I Industry Principal Healthcare & Life Science
Jahnstr. 12
70597 Stuttgart
Mobil: +49 152 22406369
E-Mail: sabine.duval@drescher-consulting.de
www.drescher-consulting.de