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Finanzierungsinstrument SAFE

Finanzierungsinstrument SAFE für den europäischen Markt: Die Perspektiven von Gründenden und Investierenden

Monatelange Verhandlungen, komplexe Vertragswerke, schwierige Bewertungsfragen – die Frühphasenfinanzierung von Start-ups war lange ein zähes Unterfangen. Das SAFE (Simple Agreement for Future Equity) will das ändern. Und es macht auch vor Europa nicht Halt. 

SAFE wurde 2013 von Y Combinator – dem Accelerator hinter Airbnb, Dropbox und Reddit – entwickelt und ist in den USA heute der De-facto-Standard für Pre-Seed- und Seed-Finanzierungen. In Europa und Deutschland gewinnt es zunehmend an Bedeutung und es ist nicht nur für Gründende, sondern auch für Innovationsmanager*innen und Kooperationspartner ein wichtiges Instrument. Wir liefern Einblicke und beantworten Fragen praxisnah und aus unterschiedlichen Perspektiven.

Was ist SAFE?

SAFE ist kein Darlehen. Es entstehen weder Zinsen noch eine Rückzahlungspflicht. Das unterscheidet es fundamental von der in Deutschland bekannteren Wandeldarlehen Stattdessen ist ein SAFE eine Absichtserklärung mit finanziellem Gewicht: Investierende stellen heute Kapital bereit, ohne sofort Anteile zu erhalten. Stattdessen erwerben sie das Recht, diese Anteile später – bei einer definierten Finanzierungsrunde, einem Exit oder einem anderen vorab festgelegten Ereignis – zu vorab vereinbarten Konditionen zu erhalten.

Zwei Stellschrauben sind dabei entscheidend:

  • Valuation Cap: Die maximale Bewertung, zu der Investierende ihre Anteile erhalten. Unabhängig davon, wie hoch das Unternehmen in der nächsten Runde bewertet wird. Sozusagen als Belohnung für frühes Vertrauen. 

  • Discount Rate: Ein prozentualer Rabatt auf den Anteilspreis der nächsten Runde – typischerweise sind das um die 10 bis 25 Prozenzt. Das kann als Ausgleich für das früh eingegangene Risiko verstanden werden.

Unterschied Tabelle SAFE Wandeldarlehen bwcon
Unterschied SAFE Wandeldarlehen

Die Perspektive der Start-ups

Was dafür spricht: 

  • Geschwindigkeit: Kapital ist in Wochen statt Monaten und ohne langwierige Bewertungsverhandlungen über den Cap Table verfügbar. 

  • Strategischer Aufschub: Die Unternehmensbewertung wird in einen Moment verschoben, in dem belastbare Marktdaten vorliegen und die Verhandlungsposition der Gründenden stärker ist. 

  • Einfachheit: Schlanke Verträge, weniger Anwaltskosten und mehr Fokus aufs Wesentliche ermöglichen die Konzentration auf Produktentwicklung und Kundenwachstum. 

Was beachtet werden sollte: 

  • Verwässerungseffekt (Equity Dilution): Mehrere SAFE-Runden summieren sich. Wer drei SAFEs abschließt und erst bei der Series A realisiert, dass das Gründungsteam nur noch 55 % hält, hat zu spät hingeschaut. 

  • Rechtlicher Rahmen: Der größte Fehler bei der SAFE-Finanzierung in Europa ist die unreflektierte Nutzung amerikanischer Vertragsvorlagen, die im deutschen Rechtskontext nicht ohne Weiteres durchsetzbar sind. Mehr dazu weiter unten im Text. 

  • Investorenqualität: Kapital ist nicht gleich Kapital. Welches Netzwerk, welches Know-how bringt der Angel-Investor oder das Venture-Capital-Unternehmen mit – auch über die Finanzierung hinaus? 

Die Perspektive der Unternehmen und Investierenden

Was dafür spricht: 

  • Struktureller Vorteil: Cap und Discount sichern einen günstigeren Einstieg als spätere Investitionen und sind eine Belohnung für das frühe Risiko in der Pre-Seed-Phase. 

  • Strategischer Zugang: Für etablierte Unternehmen bietet das SAFE eine elegante Möglichkeit, früh in komplementäre Technologien zu investieren und Kooperationen strukturell zu verankern, lange bevor diese Technologien für den Gesamtmarkt überhaupt verfügbar sind. 

  • Portfolioaufbau: Schnellere und schlankere Prozesse ermöglichen breitere Diversifikation über mehrere vielversprechende Start-ups hinweg. 

Was beachtet werden sollte:

  • Keine formalen Rechte: Mit dem SAFE kommen nicht automatisch Stimmrecht oder garantierte Informationsrechte. Wer aktiv mitgestalten will, braucht also ergänzende vertragliche Vereinbarungen.

  • Cap-Kalibrierung: Ein falsch gesetzter Valuation Cap kann den gesamten Frühphasenvorteil zunichtemachen: Hier zählt Erfahrung und fundierte Marktkenntnis.

  • Alles-oder-Nichts-Risiko: Ohne Folgerunde oder Exit ist das eingesetzte Kapital in der Regel verloren. SAFE sollte immer Teil einer breiteren Portfoliostrategie und nicht das einzige Instrument sein.

SAFE in Europa

Das amerikanische SAFE-Konzept lässt sich nicht eins zu eins auf Europa übertragen. Fragmentiertes Gesellschaftsrecht, unterschiedliche steuerliche Behandlungen von Wandlungsrechten und länderspezifische Anforderungen in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden oder Österreich machen eine sorgfältige Anpassung unerlässlich. 

In der Praxis greifen viele Start-ups dennoch auf englischsprachige Standardvorlagen zurück. Mit dem Risiko, Verträge zu schließen, die im Streitfall schwer durchsetzbar sind oder steuerliche Überraschungen mit sich bringen. Kein Akteur handelt dabei böswillig – es fehlt schlicht an einem verlässlichen, europäisch konzipierten Standard. 

Europäisches SAFE-Template

bwcon hat diese Lücke erkannt und gemeinsam mit europäischen Partnern geschlossen.

In enger Zusammenarbeit mit Akteuren aus verschiedenen nationalen Innovationsökosystemen haben wir ein SAFE-Template entwickelt, das explizit für den europäischen Rechtsraum konzipiert ist. Das ist kein Übersetzungsversuch, sondern ein von Grund auf neu gedachtes Vertragswerk:

  • Rechtssicher: Abgestimmt auf deutsches und europäisches Gesellschaftsrecht, für Gründende und Investierende gleichermaßen.
  • Im Netzwerk entwickelt: Verschiedene nationale Perspektiven fließen in eine robuste, gemeinschaftlich getragene Lösung.
  • Einfach: Schlank, verständlich und auf schnelle Umsetzung ausgelegt, ohne unnötig komplex zu sein.
  • Eingebettet: Teil eines umfassenden Innovationsbegleitangebots, von der ersten Idee über Prototyping und Markteintritt bis zur Skalierung.

Das richtige Instrument mit dem richtigen Partner 

SAFE ist kein Allheilmittel, aber in der richtigen Konstellation ein äußerst effizientes Werkzeug für die Frühphasenfinanzierung. Entscheidend ist nicht nur ob man es einsetzt, sondern wie es ausgestaltet wird und mit wem

Als integrierter Innovationsdienstleister mit einem Netzwerk von rund 650 Unternehmen, Start-ups und Forschungseinrichtungen sowie über 6.000 Expert*innenbegleiten wir Sie – egal an welchem Punkt im Innovationsprozess Sie stehen. 

Und noch ein oft übersehener Aspekt: Das SAFE muss nicht alleine greifen. Die Kombination mit öffentlichen Förderprogrammen, wie beispielsweise EXIST, EIC Accelerator, BAFA, Innovationsgutscheine und weitere Maßnahmen, kann die Finanzierungsbasis erheblich stärken und das Risiko für alle Beteiligten reduzieren. bwcon kennt den Weg durch den Förderdschungel.

Häufige Fragen zum Thema SAFE

1. Was bedeutet SAFE in der Start-up-Finanzierung?

SAFE steht für Simple Agreement for Future Equity und ist eine Vereinbarung, bei der Investierende heute Kapital bereitstellen und dafür das Recht erhalten, zu einem späteren Zeitpunkt zu vorab definierten Konditionen Unternehmensanteile zu erwerben. Das Besondere: Es entstehen keine Zinsen und in der Regel keine Rückzahlungspflicht.

2. Was ist der Unterschied zwischen SAFE und Wandelanleihe?

Im Gegensatz zur Wandelanleihe ist ein SAFE kein Darlehen. Es fallen keine Zinsen an und es besteht in der Regel keine Rückzahlungspflicht. Das macht es administrativ schlanker, aber rechtlich komplexer – insbesondere im europäischen Kontext, wo ein erprobter Rechtsrahmen für SAFEs noch nicht in vergleichbarer Form existiert.

3. Ist ein SAFE in Deutschland rechtlich sicher?

Ein SAFE nach amerikanischem Standard ist in Deutschland nicht ohne Anpassungen anwendbar. bwcon hat gemeinsam mit europäischen Partnern ein speziell auf den europäischen Rechtsraum zugeschnittenes SAFE-Template entwickelt, das Start-ups und Investierenden eine verlässliche, rechtlich fundierte Grundlage bietet.

4. Für wen eignet sich ein SAFE?

Ein SAFE eignet sich vor allem für Start-ups in der Pre-Seed- und Seed-Phase, die schnell erstes Kapital sichern möchten, sowie für Angel-Investierende, Family Offices und etablierte Unternehmen, die früh strategische Kooperationen mit innovativen Gründerteams aufbauen wollen.

5. Was ist ein Valuation Cap beim SAFE?

Der Valuation Cap ist die maximale Unternehmensbewertung, zu der ein SAFE-Investor seine Anteile erhält. Er schützt den Frühphaseninvestor davor, bei einer späteren, höheren Bewertung benachteiligt zu werden und ist damit ein zentrales Instrument zur fairen Risikoverteilung.

6. Kann ein SAFE mit Fördermitteln kombiniert werden?

Ja, SAFE-Kapital und öffentliche Förderprogramme wie EXIST, EIC Accelerator oder Innovationsgutscheine schließen sich nicht aus. Die Kombination beider Instrumente kann die Finanzierungsbasis erheblich stärken und das Investitionsrisiko für alle Beteiligten reduzieren.

7. Wie fange ich mit SAFE an?

Bei SAFE macht sich Erfahrung bewährt. Wie aber anfangen, wenn diese Erfahrung einfach noch nicht da ist? Dafür eignet sich der Austausch mit Expert*innen und Gleichgesinnten. bwcon bietet das notwendige Know-How und den Vertrauensraum, um das Instrument auch hierzulande erfolgreich nutzen zu können.

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